Artikel aus "Ein Herz für Tiere" - 1/97



Um ein Schnurrbarthaar wäre er ausgestorben, der Prager Rattler. Weil unfähige Richter ihn auf Ausstellungen 7 Jahre lang irrtümlich als mickrigen Zwergpinscher disqualifiziert hatten. Und das ihm, Vertreter der traditionsreichen böhmischen Hunderasse, deren Stammbaum bis ins elfte Jahrhundert wurzelt! Damals hätte es keiner gewagt, ihn als Mini - Zwergpinscher zu beleidigen wegen der drei Zentimeter, die sein Widerrist unter dem des großen Vetters liegt. "Tiefergelegt" war damals bei Toyhunden ebenso angesagt wie heute bei schnellen Autos. Damals unterhielt der Prager Rattler am Böhmischen Königshof durchlauchtigste Hoheiten als Spielhund. Der fledermausohrige Vierbeiner fand auch als beliebtes Präsent auf vielen europäischen Fürstenhöfen Freunde. 1377 schenkte z. B. der tschechische Kaiser Karl IV. seinem Namensvetter, dem französischen König , einen Rattler. Diesen Namen allerdings erhielt der Toy - Hund erst später: mit dem Niedergang des böhmischen Königshauses nach der Schlacht am Weißen Berg um 1620 geriet der Fürstenhund außer Mode. Dank seiner Talente jedoch überlebte er jahrhundertelang im einfachen Volk. Dort kannte man ihn bald als "Rattler": Das Schoßhündchen erwies sich nämlich trotz seiner eher zierlichen Gestalt als furchtloser, wendiger Rattenfänger. Trotzdem verloren die Rattler im Laufe der Zeit fast ihre Identität gegenüber den Zwergpinschern, mit denen sie oft verwechselt wurden und fristeten häufig ein Dasein als uberqualifizierter Hofhund. Dank engagierter Hundefreunde jedoch verschwand der Rattler nicht von der Bildfläche: Hunde - Fan Theodor Rotter hatte während der 30er Jahre des Pudels Kern in dem "Zwergpinscher" entdeckt und die besten noch erhaltenen Rattler über Zeitungsinserate aufgespürt und mit der Zucht begonnen. Unglücklicherweise verlor Rotter in den Kriegswirren seine Zuchtunterlagen. Erst der 2. Versuch, die alte Rasse zu retten, gelang 30 Jahre später unter Leitung von Dipl. Ing. Findejs: Heute wedeln 1000 Rattler "weltweit", fast alle in Tschechien. Nur dort und in der Slowakei ist die Rasse übrigens FCI - anerkannt.







Artikel aus "DOGStoday" - 01/2009



Prager Rattler - Löwenherz Achtung, ein kleiner Hund mit sehr großen Ohren möchte Ihre Aufmerksamkeit gewinnen! Der Prager Rattler ist eine sehr alte und doch irgendwie neue Rasse, an der man nicht vorbeisehen kann. Und die einen schupss - für sich einnimmt ...

Schätze muss man machmal lange suchen. Und man muss weite Wege auf sich nehmen, um sie zu finden. Ein bisschen so ist es im Moment mit dem Prager Rattler. Denn ein Schatz ist er ganz klar, dieser winzige Hunde, der mit jedem sofort Freunschaft schließen will und sich in jedes Herz schmeichelt. Und lange suchen muss man ihn auch, weil die tschechische Hunderasse in Deutschland zwar immer beliebter wird, aber noch nicht von den großen Zuchtverbänden anerkannt ist. Das bedeutet: Einen (guten) Züchter zu finden gestaltet sich eventuell schwierig.

Nichtsdestotrot lohnt es sich, denn der Rattler ist wirklich ein Original. Gut, dass er so klein ist, denn er möchte so gerne auf den Schoß, auf den Arm oder was gerade in seiner Reichwite ist. Und wenn Sie sich zu einem Rudel Rattler auf den Boden setzen, werden sie im Nu belagert sein. Und dann will das ganze Rudel auf den Arm, auf den Schoß oder was immer gerade in Reichtweite ist" Der "Prazsky Krysarik" sieht übrigens dem deutschen Zwergpinscher zum Verwechseln ähnlich. Und das kommt nicht von ungefähr, denn sicher haben sich die Wege dieser Rassen irgendwann einmal gekreuzt. Der Rattler ist eindeutig ein Pinscher-Typ. Oprisch und charakterlich. Beide Rasse waren in ihrer Vergangenheit Wächter un Rattenfänger. Das Wort "Pinscher" stammt vermutlich aus dem Französischen oder Englischen, wobei das egal ist, denn in beiden Sprachen geht es um "Schnappen" und "Zwicken".

Und das können alle zwei ganz gut. Der Prager Rattler war aber einst nicht nur wegen seiner Rattenschnapper-Begabung bei den Bauern beliebt (wie viele Zweghunde) auch bei Hofe. Die tschechischen Adeligen hielten und verschenkten die hübschen kleinen Hunde gern.

Die höfische Vergangenheit merkt man dem Rattler heute noch an, denn sein kleiner Popo möchte niemals auf blanker Erde sitzen. Er sucht sich immer eine Unterlage, sei es der Schuh eines Menschen, der gerade neben ihm steht, eine Tasche auf dem Boden (nehmen Sie ihn nicht aus Versehen mit!) oder auch ein Artgenosse. AM besten ein größerer, denn in dessen Fell lässt es sich gut kuscheln.Die kleinen Clowns stapeln sich auch gern zu zehnt übereinander - ein Korb reicht für alle.

Bei aller Winzigkeit darf man aber nicht vergessen: Sie sind richtige Hunde mit einer Vergangenheit als kleine Jäger. Sie möchten laufen das können sie lange und mit viel Energie) und sie brauchen auch eine gute Erziehung. Ein kleiner Hund kann vielleicht nicht so gefährlich werden wie ein großer, aber lästig. Wir wollen ja nicht das Klischee von kleinen Kläffer bedienen.Ausserdem, und das ist ein zweiter Grund, muss man den Rattler manchmal vor sich selbst beschützen. Er hat ein tapferes Löwenherz und fühlt sich auch so. Deshalb muss er gehorchen, wenn Sie ihn rufen, damit er sich nicht mit dem Schäferhund von nebenan anlegt oder unter die Räder gerät. So groß, wie er glaubt, ist er eben nicht.

Eine Spur Größenwahn ist aber das Einzige, was man dem Hündchen aus Prag vorwerfen kann. Sonst ist er ein Schatz. Für alles WEitere sind wir verantwortlich: Sehen Sie sich, wenn Sie einen Rattler möchten, die Elterntiere gut an. Sie dürfen nicht zu klein und müssen frei von diversen Zwerg-Krankheiten sein! In diesem Sinne: Alles Gute bei der Schatzsuche!



Vicotria Schwalb